Franz Hackl wirft beim SC Zwiesel das Handtuch
Übungsleiter des Bezirksoberligisten stellt sein Amt zur Verfügung
von Thomas Seidl · 16.11.2009, 10:21 Uhr · 0 Leser
Der SC Zwiesel muss sich um einen neuen Trainer umsehen- Franz Hackl erklärte nach der 0-3 Niederlage im Kellerderby bei der SpVgg Kirchdorf-Eppenschlag seinen Rücktritt. Der 60-jährige Röhrnbacher übernahm das Traineramt bei den Glasstädtern erst in der Endphase der letzten Saison und konnte die Mannschaft dort vor dem Abstieg retten. In der laufenden Spielrunde starten die SCler gut, aber nach einer kontinuierlichen Talfahrt liegt der Tradtionsverein mittlerweile auf einen Abstiegsplatz. FuPa hatte die Gelegenheit mit Franz Hackl ein Interview zu führen
FuPa: Franz, was waren letztendlich die Gründe für Deinen Rücktritt?
Hackl: Um eines vorwegzunehmen- mein Entscheidung hat nichts mit der Tabellensituation zu tun. Wer mich kennt, der weis dass ich keiner bin, der davonläuft und sich auch einer schwierigen Aufgabe stellt. Aber was in Zwiesel die letzten Wochen und Monate vorgefallen ist, passt auf keine Kuhhaut mehr. Durch die ganzen Querelen bin ich mittlerweile nervlich stark angeschlagen und ich habe diesen Entschluß eigentlich schon länger geplant, wobei er mir trotzdem nicht leicht fällt.
FuPa: Könntest Du diese Vorfälle konkret beschreiben?
Hackl: Ich bin die letzen Wochen dreimal unverrichteter Dinge vom Training wieder heimgefahren- wenn nur zwei oder drei Spieler da sind, hat das halt keinen Sinn. Auch in den anderen Einheiten waren eigentlich nie mehr als fünf, sechs Spieler vom Kader der Ersten Mannschaft anwesend- zu einigen Spielen hatten wir nicht mal drei Ersatzspieler zur Verfügung und ich wusste oft am Spieltag noch nicht, welche Akteure auflaufen werden. Das hat einfach nix mit Bezirksoberligafußball zu tun- da hat jeder A-Klassist eine bessere Organisation und ich sehe momentan auch keine Aussicht, dass sich an der trostlosen Lage etwas ändern könnte.
FuPa: Wie kam es zu dieser besorgniserregenden Entwicklung?
Hackl: Der Knackpunkt war in meinen Augen der Abgang vom Tobias Ehrenthaler, der als Vertragsamateur Anfang August noch zum SV Prackenbach wechselte. Tobias war ein absoluter Führungsspieler, sehr trainingsfleißig und seine Qualitäten auf dem Platz konnten wir in keinster Weise ersetzen. Schon hier hätte der Verein versuchen müssen ihn unbedingt zu halten, aber da passierte halt nichts.
FuPa: In den letzten Wochen kritisiertest Du auch immer wieder die Vereinfsführung des SC, welche Rolle spielt diese Deiner Meinung nach bei der ganzen Geschichte?
Hackl: Ich wollte niemand beleidigen oder sonstiges- das liegt mir absolut fern. Ich habe versucht, die Leute wachzurütteln, aber leider vergebens. Mir hat jegliche Unterstützung gefehlt und fühle mich von diesen Personen absolut im Stich gelassen. Wenn ich schon eine Postion im Verein übernehme, sollte ich auch das mit dem notwendigen Einsatz ausüben. Vor dem wichtigen Spiel in Kirchdorf kreuzte der Spartenleiter kurz im Abschlußtraining auf und teilte mir und der Mannschaft mit, dass keine Spielerversammlung stattfinden wird. Dies sagt eigentlich alles über die Situation beim SC Zwiesel aus.
FuPa: Kannst Du da Beispiele nennen?
Hackl: Ich hätte zwei ehemalige Bayernligaspieler an der Hand gehabt, die uns über einen überschaubaren Zeitraum ausgeholfen hätte, aber in Zwiesel hat das eigentlich niemand so richtig interessiert und das zeigt mir, dass der Club einfach nicht bereit ist alles für den Ligaerhalt zu tun. Wie will man das dann von den Spielern verlangen!? Auch die Sache mit Christian Mahler war eigentlich ein Glücksfall für jeden Verein- der ist aufgrund der Ausfälle der beiden Tormänner viermal zwischen den Pfosten gestanden und da haben wir fünf Punkte geholt, die Mannschaft war begeistert von ihm. Wenn die Verantwortlichen bemüht gewesen wären, hätte Mahler bestimmt bis zur Winterpause weitergespielt und ich behaupte, dann hätten wir auch mindestens vier Punkte mehr auf dem Konto.
FuPa: Wie war Dein Verhältnis zur Mannschaft?
Hackl: Aus meiner Sicht war es zu den meisten Spielern sehr gut- Leute wie Kapitän Andreas Wellisch, Markus Dengler und Matthias Süß zeigten trotz der schwierigen Situation großen Einsatz und hielten die Mannschaft noch einigermaßen zusammen. Auch Spieler aus der "Zweiten" wie Robert Probst und Marco Fritz hauten sich voll rein und mussten zuletzt sogar in der Startelf spielen und machten ihre Sache dabei richtig gut, obwohl sie in der Vergangenheit nicht einmal zum Kader der Bezirksoberligamannschaft gehörten. Aber man muss halt auch sagen, dass der ein oder andere Spieler nicht den letzten Einsatz zeigte und dies sich vor allen in der indiskutablen Trainingsbeteiligung wiederspiegelte. Zudem wurde unser kleiner Kader durch zwei Rückzüge während der Hinrunde zusätzlich ausgedünnt- Otto Kroner und Manfred Zaglauer erschienen auf einmal nicht mehr.
FuPa: Waren Deine Erwartungen an die Spieler vielleicht zu hoch und welche Bilanz würdest Du während Deiner Amtszeit beim SC ziehen?
Hackl: Ich denke meine Erwartungen sind für eine Bezirksoberligamannschaft ganz normal- dreimal Training ist für diese Spielklasse angemessen und ich wäre ja mit einen Team zufrieden gewesen, das irgendwo im Tabellenmittelfeld spielen kann und wo man im Training ordentlich arbeiten kann. Diese Voraussetzungen waren aber in Zwiesel meiner Meinung nach nicht mehr gegeben, aber vielleicht wird das in Zukunft wieder anders- ich würde es Verein und Mannschaft gönnen. Mit meiner persönlichen Bilanz bin ich nicht unzufrieden, letzte Saison schafften wir den kaum für mehr möglich gehaltenen Klassenerhalt und auch heuer haben wir uns aufgrund der ganzen negativen Umstände noch achtbar aus der Affäre gezogen, wobei die Niederlagen in Bernried und Kirchdorf richtig weh taten.
FuPa: Wie geht es mit Dir weiter?
Hackl: Ich brauche jetzt erst einmal ein paar Tage Abstand vom Fußball, dann sehen wir weiter. Wenn ein entsprechendes Angebot kommt, greife ich sicher wieder an, wo ist mir eigentlich egal. Umfeld und sportliches Niveau müssen passen.