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Franken gegen den Rest der Welt

Trainer will fränkische Nationalmannschaft gründen - Erstes Spiel soll am 16. Februar angepfiffen werden

von Norbert Heimbeck / NK · 26.11.2013, 12:03 Uhr · 0 Leser
So könnte es aussehen, das Trikot der fränkischen Fußball-Nationalmannschaft.  Bild: Nordbayerischer Kurier
So könnte es aussehen, das Trikot der fränkischen Fußball-Nationalmannschaft. Bild: Nordbayerischer Kurier

Sensation für Fußballfreunde: In knapp drei Monaten feiert die fränkische Nationalmannschaft ihre Länderspielpremiere. Die fränkische (!) National(!)elf … Das Spiel, das zweifellos in die Sportgeschichte eingehen wird, soll am 16. Februar 2014 im Steigerwaldstadion von Gerolzhofen angepfiffen werden.

Vor dem Anpfiff ist noch viel Arbeit zu bewältigen, sind noch dicke Bretter zu bohren. Das Wichtigste: Es müssen elf Spieler gefunden werden, die das rot-weiße Franken-Trikot gegen die Mannschaft von Tamil Eelam tragen wollen.

Helmuth Weisensel macht sich seit langem für die Idee stark. Der Unterfranke mit A-Trainer-Lizenz hat zuletzt die Elf des FV Karlstadt in der Bezirksliga Unterfranken-West betreut. Unterstützer hat er im Fränkischen Bund gefunden, jenem Verein, der das fränkische Selbstbewusstsein polieren will und keine Gelegenheit auslässt, über die Benachteiligung der Region durch München zu klagen. Helmuth Weisensel hat schon viel erreicht auf dem Weg zur Verwirklichung seines Traumes: Vor kurzem wurde der „Fränkische Fußball-Bund“ als Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) gegründet. Dessen Präsident und Generalsekretär ist Jochen Pfeufer aus Würzburg, der auch als Funktionär beim Fränkischen Bund bekannt ist. Weisensel selbst ist als Trainer und Manager in sportlichen Belangen im neuen Verband tätig. Ein fränkisches Nationaltrikot existiert noch nicht: „Die Grundfarben werden sicher Weiß-Rot sein, wir arbeiten gerade an Details.“

Ein nicht unwesentliches Detail ist die Mannschaft: „Der Kader wird zurzeit gebildet. Wir wollen Spieler aus Regionalliga, Bayernliga und Landesliga und haben deshalb die fränkischen Vereine angeschrieben.“ Weisensel: „Die Resonanz bisher ist sehr gut!“ Viele Vereine seien „positiv eingestellt, aber schreiben Sie bitte noch keine Namen“.

Denn in der Tat wird es für einen der etablierten Spieler wohl keine triviale Sache werden, für das noch zu gründende Nationalteam anzutreten: Denn die Regularien des Weltfußballverbandes verbieten eigentlich das Kicken für einen anderen Verband. Wolfgang Mahr, sportlicher Leiter der Spielvereinigung Oberfranken Bayreuth, spricht von einer schwierigen Situation: „Der Verband sieht ja schon die Wilde Liga, in der jeder so ein bisschen kicken kann, kritisch. Ich glaube nicht, dass er (Weisensel, Anm. d. Red.) Spieler kriegen wird.“

Mittlerweile hat sich auch der Bayerische Fußball-Bund zum Vorhaben von Helmuth Weisensel geäußert und dem Plan, Spieler aus den Amateurklassen einzusetzen, eine deutliche Absage erteilt. Vereinsspieler dürften nicht in dieser Mannschaft stehen, heißt es aus München.
Aber auch für dieses Problem hat Helmuth Weisensel eine Lösung gefunden. Wenn der Einsatz von Amateurspielern nicht möglich ist, will er auf Akteure setzen, die nicht an den Verband gebunden sind. Eine Möglichkeit wären Spieler, die ihre Karriere bereits beendet haben.

Joachim Kalb vom Fränkischen Bund sieht die Angelegenheit nicht ganz bierernst: „Das Wichtigste für mich ist: Wir schaffen hier mit lauter Amateuren ein Gegenstück zum Geld-Fußball, wie ihn etwa der FC Bayern München vorführt“, sagte der Weidenberger. „Unabhängig vom fränkischen Patriotismus, wird das sicher eine lustige Sache. Wir wollen keine Konkurrenz zur Fifa sein, aber ich glaube, die Tamilen nehmen das Spiel schon recht ernst.“

Elf Franken erringen historischen Sieg

Die Idee des unterfränkischen Fußballlehrers Helmuth Weisensel zur Gründung einer fränkischen Nationalmannschaft mag heute belächelt werden. Tatsächlich aber gab es bereits einmal eine DFB-Mannschaft, die ausschließlich aus fränkischen Spielern bestand: Im April 1924 traf die deutsche Nationalelf in einem legendär gewordenen Spiel auf die Niederlande.

Die Mannschaft bestand ausschließlich aus Franken: fünf Nürnberger und sechs Fürther Spielern. Am 21. April 1924 fällt das 1:0 – der erste vom DFB anerkannte Länderspielsieg der Deutschen gegen die Holländer!

Dieses Spiel ist auch deshalb interessant, weil sich die Kicker partout nicht ausstehen konnten: Vor und nach der Begegnung in Amsterdam traten der 1. FCN und die Fürther zu Hause bei der süddeutschen Meisterschaft gegeneinander an und schenkten sich dabei nichts. Selbst für die Bahnfahrt nach Amsterdam sollen die Nürnberger einen anderen Waggon als die Fürther gewählt haben. Die sogenannten Goldenen Zwanziger waren die glücklichen Jahre, in denen Nürnberg und Fürth den deutschen Fußball prägten. Der „Club“ gewann zwischen 1920 und 1929 nicht weniger als fünfmal die deutsche Meisterschaft, Fürth zweimal. Glorreiche Zeiten, von denen Fans heute nur noch träumen können.

Fast auf den Tag genau 90 Jahre nach dem historischen Sieg gegen die Niederlande soll sich also wieder einmal eine fränkische Nationalmannschaft auf die Jagd nach Toren begeben. Das Freundschaftsspiel gegen die Mannschaft Tamil Eelam FA in Gerolzhofen wird von der Conifa (Confederation of Independent Football Associations) durchgeführt. Sascha Düerkop ist Generalsekretär der Conifa und hat die Deutschlandtour der Tamilen als Vorbereitung auf ein Turnier in Östersund (Schweden) organisiert. Anstoß der Begegnung am 16. Februar im Gerolzhofener Steigerwaldstadion ist übrigens um 14.30 Uhr.

Nicht politische Separationsgelüste treiben Helmuth Weisensel an, sagt der Unterfranke: „Aber es gibt auch Fußballteams der sorbischen Minderheit in Ostdeutschland, es gibt eine Auswahl auf Helgoland, auch die Roma in Deutschland haben eine eigene Mannschaft – warum sollten wir Franken da zurückstehen?“

Ausschließlich die sportlichen Aspekte will Weisensel bei seinem Projekt der fränkischen Nationalmannschaft sehen. Der Fränkische Bund, unter dessen Flagge Weisensel seit geraumer Zeit segelt, hatte sich lange Zeit der Schaffung eines eigenen Bundeslandes Franken verschrieben.

Heute geht es dem Verein unter anderem um die verstärkte Förderung eines gesamtfränkischen Bewusstseins. Dass Fußball durchaus ein identitätsstiftendes Element haben kann, weiß jeder, der schon einmal im Stadion von den Wogen der Begeisterung über grandiose Pässe und tolle Tore ins Jubeln kam.