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Samstag 08.07.17 17:43 Uhr|Autor: Romina Burgheim870

Fantastische oder fatale Freundschaftsspiele?

Von dem Reiz, gegen einen Bundesligisten mit 0:25 zu verlieren

Es ist wieder soweit! Seit einigen Tagen befinden sich die einzelnen Bundesligisten in der Vorbereitung. Diese beinhaltet klassischerweise zahlreiche sportmedizinische Untersuchungen, um den gesundheitlichen Zustand der Profis festzustellen. Leistungstests werden angesetzt und durchgeführt, um zu überprüfen, ob sich die eigenen Zöglinge an die Hausaufgaben gehalten haben. Zahlreiche Trainingseinheiten stehen auf dem Programm, um wieder zurück in den Arbeitsalltag zurückzufinden, die Neuzugänge zu integrieren und neue Taktiken auszuprobieren. 

Ein wichtiger Baustein bei all diesen Bemühungen darf nicht fehlen: Das Freundschaftsspiel!  Das Verbandsportal hat eine Auflistung der einzelnen Partien erstellt, die zeigt, dass sich die Bundesligisten in dieser Phase der Vorbereitung vorrangig gegen Amateurklubs messen. Wenn man sich die Resultate anschaut, werfen diese zahlreiche Fragen auf – für beide Beteiligten.



Denn teilweise sind da Ergebnisse zu sehen, die für Fußballverhältnisse astronomische Ausmaße annehmen. Wenn, wie es bei der Begegnung zwischen dem Zweitligisten FC Erzgebirge Aue und dem Kreisoberligisten FSV Treuen der Fall war, ein Team mit 0:25 unter die Räder kommt, stellt sich schnell die Frage nach der Sinnhaftigkeit einer solchen Partie! WARUM?, wenn die Leistungsschere doch so offensichtlich auseinanderklafft? 

Als ehemalige aktive Amateur-Profi-Fußballerin (was für ein Unwort :D) bin ich jeweils in den Genuss solcher Testspiele aus beiden Perspektiven gekommen und konnte mir aus dem Grunde ein umfassendes Bild von den Vorzügen und Nachteilen dieser Ansetzungen machen.

Denn aus der Sicht des Klassenniedrigeren stellen diese Freundschaftsspiele am Anfang der Saison ein echtes Highlight dar. So dürften es die Spieler der Spvg. Hiddenhausen (Kreisliga A), Friedrichshagener SV 1912 (Bezirksliga) oder des SV Heftrich (Kreisoberliga) genauso gesehen haben. Denn wann haben sie schon bitte in ihrem kleinen Fußballerleben die Chance gegen die Profis von DSC Arminia Bielefeld (2. Bundesliga), Eintracht Frankfurt (2. Bundesliga) oder 1. FC Union Berlin (2. Bundesliga) zu spielen?

Eine solche Partie kommt einer riesigen Ehre gleich, da sie ihren Vorbildern nicht nur die Hand schütteln können, sondern im wahrsten Sinne des Wortes gegenüberstehen und sich an ihnen messen können. Mit der gewohnt bescheidenen Erwartungshaltung, „keine Schnitte gegen solche Vereine zu haben“, folgt man dem Credo „Genieße jede Minute“, dem man auch gerne Folge leisten will. Doch spätestens nach dem dritten und vierten Gegentor fühlt sich der Status des Auserwählten nicht ganz mehr so edel und wertvoll an, weil man das ganze Spiel aufgrund der Überlegenheit des Gegners nur noch dem Ball hinterherrennt.

In solchen Momenten mutiert das Spiel zu einer masochistischen Sisyphosarbeit, sich vergeblich ins Spiel maßgeblich einzubringen. Es wird eine Frage der intrinsischen Motivation,  da die extrinisischen Faktoren so rar gesät sind. Man ist dazu aufgefordert, seine eigenen Frust-Grenzen zu überwinden und „tapfer am Ball zu bleiben, den Kopf nicht hängen zu lassen und trotzdem erhobenen Hauptes weiterzukämpfen. Hach das Phrasenschein kommt gerade auf seine Kosten.

Andererseits ist nicht zu verachten, dass den Zuschauern ein würdiger Rahmen beschert sein soll, die wiederum das gebeutelte Ego auf eine ganz besondere Weise wiederherzustellen versuchen: Denn, sich im vollsten Bewusstseins des David gegen Goliath - Status befindend, feiern dieselben frenetisch und auf höchst sympathische Weise jeden Ballkontakt oder Zweikampfgewinn ihres Heimatklubs. Eine solche Stadionatmosphäre kann auch bei einem 0:10-Rückstand noch Gänsehaut bereiten.

Nicht selten wird die Einladung eines Bundes- oder Zweitligisten mit einer wunderbaren Charity-Aktion verknüpft und die Einnahmen aus dem Eintrittspreis werden selbstlos einem Projekt gespendet. Dieses geballte Wissen tröstet die meisten Teilnehmer über eine desaströse Niederlage hinweg und übrig bleibt das schöne Gefühl, dabei gewesen zu sein und alles gegeben zu haben. 

Und so manch einer, wie Vincenzo Potenza wird sich sogar an diesen denkwürdigen 6. Juli gerne erinnern wollen. Denn seine Mannschaft BCF Wolfratshausen, die sich in der fünften Spielklasse des Bundeslandes tummelt, hat sich mit einer 1:4 Niederlage gegen die (B-?) Mannschaft von Bayern München nicht nur teuer verkauft, sondern ihm war darüberhinaus das Erzielen des Ehrentreffers vergönnt gewesen! Was für ein Erlebnis. Was für ein Egopush! Davon träumt so mancher Spieler eines chancenlosen Bundesligisten - wenn man nur an den HSV denkt, der schon einige Packungen gegen den Rekordmeister kassiert haben :D 

Umgekehrt darf man sich die berechtigte Frage stellen, wie ein Profiakteur eine solche Pflichtübung wahrnimmt und dieses Urteil dürfte je nach eigener Ausgangslage unterschiedlich ausfallen. Da gibt es natürlich die Ersatzspieler, Neuankömmlinge oder genesenen Langzeitverletzten, die im Rahmen einer solchen  Veranstaltung natürlich ihre Chance wittern, um sich in den Vordergrund zu spielen bzw. neue Spielpraxis zu sammeln - natürlich in einem geschützten leistungsreduzierten Rahmen.

Etablierte Stammkräfte hingegen blicken diesen Ansetzungen eher kritisch bzw. fast schon mit einem genervten Schulterzucken entgegen, da sie sich, wenn auch nachvollziehbar, auf der Ersatzbank wiederfinden (nur Spieler mit einem geringen Ego können dies trotz aller guten Argumente nur schwer verkraften) und sich dementsprechend in Zurückhaltung üben müssen. Spielerisch kommen sie natürlich längst nicht an ihre Leistungsgrenze und auf ihre Kosten.

Vielleicht ist auch der ein oder andere von der Sorge um seine Knochen ergriffen - stellt es doch keine Seltenheit dar, dass durch Übermotivation oder Unbeholfenheit auf der anderen Seite so manch ein Profi eine unangenehme Verletzung davon getragen hat - ein Risiko, was natürlich bei jedem Spiel der Fall ist, aber in solchen Konstellationen durchaus dupliziert wird. Eine solche innere Erwartungshaltung schlägt sich natürlich auch auf die Leistung auf dem Platz nieder und in der Körperhaltung des ein oder anderen lassen sich im wahrsten Sinne des Wortes eben jene ablesen. Aber darum geht es ja auch gar nicht.

Denn summa summarum kann man sagen: Die Gewinner bei solchen Freundschaftsspielen sind die Zuschauer und die Trainer. Denn zu ihren Zwecken ist das Spiel meist ausgerichtet, die Spieler hingegen kommen eher (un-)willigen Marionetten gleich, die auf ihre Weise Einsicht in die Notwendigkeit einer solchen sportlichen Veranstaltungen zeigen können. 

Und am Ende des Tages ist alles wichtiger als das Ergebnis. Denn vorrangig werden wichtige Spielertugenden wie  Leistungsbereitschaft, Ehrgeiz, Fähigkeit zur Repräsentation, Wille und der Teamgedanke abgeprüft. Und letztlich sollte am Ende das wohltuende Gefühl Überhand gewinnen, dabei gewesen zu sein und etwas Gutes geleistet zu haben - wie auch immer man das definieren und realisiert finden mag!


Bildquelle: https://www.tz.de/sport/fc-bayern/bcf-wolfratshausen-gegen-fc-bayern-stimmen-zum-spiel-8464499.html

 
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