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Dienstag 18.04.17 05:40 Uhr|Autor: volksfreund.de Andreas Arens566
Der Konzer Rechtsanwalt Josef Maximini leitet als Vorsitzender die noch vier Beisitzer umfassende Trier-Saarburger Kreisspruchkammer. TV-Foto: Andreas Arens

Er weiß, was auf den Sportplätzen läuft

Ein Fußball-Richter in einer Kreisspruchkammer zieht Bilanz
Fußball-Richter Josef Maximini ist seit knapp einem Jahr Vorsitzender der Kreisspruchkammer und zieht eine erste Bilanz.

Konz Die Saison in den Trier-Saarburger Kreisligen A- bis D biegt auf die Zielgerade ein - und damit neigt sich auch die erste Spielzeit von Josef Maximini als Vorsitzender der Kreisspruchkammer dem Ende entgegen.

Der am Ostermontag 63 Jahre alt gewordene Rechtsanwalt aus Konz hat gerade mit seinem vierköpfigen Beisitzerteam einen sehr umfangreichen Fall zu Ende gebracht: Der Spielvereinigung (SpVgg) Trier - aktuell noch in der Kreisliga B Trier/Saar angesiedelt - wurde nach monatelanger, "geradezu detektivischer Kleinarbeit", wie es Maximini formuliert, nachgewiesen, Anfang Juni vergangenen Jahres in einem Relegationsspiel gegen die SG Ruwertal II einen nicht einsatzberechtigten Akteur aufgestellt und dies anschließend vertuscht zu haben. Der Zwangsabstieg der SpVgg und persönliche Strafen in Form von Tätigkeitsverboten für den damals verantwortlichen Trainer und den Vorsitzenden der Trierer sowie eine 350-Euro-Geldstrafe waren die Folge.

"So etwas", lässt Maximini durchblicken, "ist gottseidank die große Ausnahme". Klassiker sind und bleiben die rein sportlichen Vergehen. Je nach »rohem Spiel«, »Tätlichkeit« oder sonstigen Straftatbeständen verhängt die Kammer dann Sperren von mindestens einer bis zu mehreren Wochen, Wiederholungstäter erhalten in aller Regel noch einen »Zuschlag«.

Fälle, in denen ein Strafmaß von bis zu vier Spielen Sperre oder 80 Euro Geldstrafe (wird nicht selten bei Vergehen von Trainern oder Funktionären ausgesprochen) im Raume stehen, kann ein einzelnes Mitglied der Kreisspruchkammer erledigen ("Einzelrichterurteil"). Sind die Sachverhalte komplexer, tagen in aller Regel mindestens drei Kammermitglieder.

"Zu mündlichen Verhandlungen laden wir meist, wenn die Angelegenheit einen größeren Klärungsbedarf hat und wir über den Bericht des Schiedsrichters hinaus Informationen brauchen, um uns ein Bild von einem unfairen Verhalten zu machen", berichtet Maximini. Berufungen landen bei der nächsthöheren Instanz, der Bezirksspruchkammer - wie im Falle einer Partie in der Kreisliga C Trier/Eifel vom März.
Das Kreis-Urteil, die Begegnung zwischen dem SV Udelfangen und der SSG Mariahof nach einem Glasflaschentritt und den Folgen daraus neu anzusetzen, wurde aufgehoben; Udelfangen siegt am grünen Tisch. Maximini sieht das nicht als Niederlage an, sondern kann damit professionell umgehen: "Wir waren anderer Auffassung, lagen damit offenbar falsch."

Selbst hat er nie Fußball in einem Club gespielt. Ahnung, was auf den Plätzen in der Region abläuft, hat er aber allemal: Den sportlichen Werdegang seiner beiden Söhne Yannick und David, die aktuell beim FC Kommlingen in der Kreisliga D Saar kicken und früher auch schon in Konz und Krettnach aktiv waren, verfolgt Maximini intensiv.

Zudem war er von 1982 an acht Jahre lang als Schiedsrichter für seinen Heimatclub SV Ayl im Einsatz. 2012 stieg er nochmal als 23. Mann ein und leitet seitdem (wieder) schwerpunktmäßig Spiele in den Kreisligen C und D. Der damalige Kreisvorsitzende Bernd Marx habe ihn einst für die ehrenamtliche Tätigkeit in der Trier-Saarburger Spruchkammer begeistern können. Zunächst war der Jurist ein Jahr als Beisitzer dabei und übernahm dann Mitte vergangenen Jahres den Vorsitz von Markus Kohl - und hat offenbar nach wie vor großen Spaß daran: "Während der Saison kommen schon mal zehn Stunden in der Woche für Befragungen, Sitzungen und das Fällen und Schreiben der Urteile zusammen. Es ist aber für mich eine wirklich reizvolle Aufgabe, den Fußball mit rechtlichen Aspekten, die mir vom Grundsatz her ja auch vom Beruf her vertraut sind, zu verbinden."

Dabei ist ihm die Nähe zum Fußball und damit zu den Aktiven an sich wichtig. Von übertriebener Paragrafenreiterei ist er kein Freund - und auch sein Ruf des "Richter gnadenlos", der ihm zu Beginn seiner Spruchkammer-Tätigkeit vorauseilte, hat sich schnell wieder relativiert.

Wenn Vereine bei einem Spielerabgang trotz Aufforderung der Passstelle des Verbands in Koblenz nicht rechtzeitig die Formalitäten erledigen und dadurch von der Spruchkammer zur Kasse gebeten werden (müssen), ärgere ihn das im Grunde genommen - genauso wie die immer mehr um sich greifenden Rudelbildungen und Beleidigungen auf dem Platz - der "große" Fußball in den Bundesligastadien mit seinen vermeintlichen Vorbildern lässt grüßen.

Extra: NEUER BEISITZER FÜR SPRUCHKAMMER GESUCHT
Der Spruchkammer des Fußballkreises Trier-Saarburg gehören aktuell neben Josef Maximini (Konz) noch Anna Berg (Hetzerath), Michael Kasel (Mandern), Peter Quint (Osburg) und Werner Gorges (Farschweiler) an. Zur neuen Saison ist eine Beisitzerstelle neu zu besetzen. Interessenten brauchen keine juristischen Vorkenntnisse, sollten aber Interesse am Fußball und PC-Kenntnisse mitbringen. Kontakt: 01577/6466238 (Josef Maximini) oder KSK-Trier-Saarburg@web.de
 
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