
Hallo Uwe, schön dass du dir für dieses Interview Zeit nimmst. Am vergangenen Wochenende ist euch ein wichtiger Erfolg gegen den vormaligen Spitzenreiter SV Fortuna Regensburg gelungen und ihr habt erstmalig in der Rückrunde die Tabellenspitze übernommen. Wie siehst du mit einigen Tagen Abstand dieses Spiel und die Eroberung des ersten Tabellenplatzes?
"Hallo Hannes, mit einigen Tagen Abstand wird mir persönlich eigentlich erst wirklich bewusst, wie knapp das Spiel - trotz des eindeutigen Ergebnisses - gelaufen ist. Wir sind in Führung gegangen, was meiner Mannschaft die nötige Ruhe und Sicherheit gegeben hat. Nach der Pause kassieren wir dann den Elfmeter und können postwendend wieder antworten. Dann fällt das Abseitstor für die Fortuna und uns gelingt in der Folge durch Holler und Ranzinger die Entscheidung. Die spielentscheidenden Situationen sind gerade zum richtigen Zeitpunkt gekommen, aber nichtsdestotrotz ist der Erfolg hochverdient. Aus meiner Sicht war leistungsmäßig kein Unterschied zu erkennen, aber ich glaube, dass die mannschaftliche Geschlossenheit und der Siegeswille meiner Mannschaft dieses Spitzenspiel entschieden haben."
Bereits in der letzten Saison hattet ihr einen ähnlichen Lauf, seit in der Rückrunde ungeschlagen geblieben. Nach der kurzzeitigen Tabellenführung habt ihr aber durch ein Unentschieden gegen Burglengenfeld die mögliche Meisterschaft verspielt. Keine Angst vor einer erneut ähnlichen Situation?
"Ja, ich mache mir auch darüber durchaus Gedanken. Mir geht es ja nicht nur um die von dir angesprochene Tabellenführung in der vergangenen Saison. Seit ich in Cham trainiere haben wir ungefähr 4-5x an der Spitze der Tabelle gestanden und sind danach sofort wieder eingebrochen. Als junge Mannschaft, wie es die meine ist, lässt man sich in einer solchen Situation einfach noch ablenken, wirkt ab und zu unkonzentriert, es fehlt auch ein Stück weit die Erfahrung. Ich glaube zwar, dass wir aus der Vergangenheit gelernt haben, aber dass sich meine Jungs in dieser Hinsicht entwickelt haben, müssen sie erst beweisen. Meine Hauptaufgabe in den kommenden Tagen und Wochen wird es sein, keinerlei Eitelkeiten in dieser Mannschaft hochkommen zu lassen und sie auf den Punkt genau auf den jeweiligen Gegner vorzubereiten - hochkonzentriert und mit einem unbändigen Siegeswillen."
Am Osterwochenende geht es nun am Samstag zum SC Regensburg und anschließend am Montag nach Kulmain. Wie beurteilst du beide Gegner und was rechnest du dir aus?
"Auch wenn wir mit einem Auge nach Kulmain blicken, gilt meine generelle Devise, dass wir uns nur mit dem nächsten Gegner beschäftigen dürfen. Denn alles andere wäre in unserer Situation unangebracht, Hochrechnungen oder Vorgaben an meine Spieler gibt es deshalb nicht und dürfen sie sich auch selber nicht machen.
Für mich persönlich ist der SC Regensburg eine sehr gefährliche Mannschaft mit einer hervorragenden Offensive. Dorkic, Diermeier oder auch Schmidl im Mittelfeld zählen für mich zu den besseren Bezirksoberligaspielen, auch im Hinspiel hatten wir trotz des klaren Spielergebnisses große Probleme. Speziell in Regensburg wird es schwierig, denn es ist ein enger Platz mit einer leidenschaftlich auftretenden Heimmannschaft. Während wir noch um die Meisterschaft spielen, kann der SC befreit aufspielen und wird versuchen, uns ein Bein zu stellen.
Mit Kulmain beschäftigen wir uns wirklich erst, wenn wir dieses Spiel gespielt haben, da will ich heute noch gar nicht dran denken. Zumal wir in Kulmain noch nie so gut ausgesehen haben und ich Trainer Nothhaft als einen der kompetentesten und charakterlich besten Übungsleiter der Liga einschätze."
In der vergangenen Woche haben sich mit Bernhard Greinke und Daniel Schmaderer zwei wichtige Spieler verletzt, im gestrigen Training musste auch noch Martin Scheuerer frühzeitig abbrechen. Gehen dir zum Ende der Saison hin die Spieler aus?
"Das stimmt, dass sich diese drei Spieler nun verletzt haben. Greinke hat sich wohl das Innenband gerissen, bei Schmaderer ist seine schwere Armverletztung aus dem Spiel gegen Kareth-Lappersdorf in der vergangenen Saison wieder aufgebrochen, so dass diese beiden Spieler sicher für den Rest der Saison ausfallen werden. Weil sie Stammspieler waren, sind diese Ausfälle für uns natürlich große Rückschläge. Bei Scheuerer bin ich wesentlich zuversichtlicher, dass es zu einem Einsatz am Wochenende reicht. Außerdem habe ich die letzten Wochen ja bereits häufiger betont, dass wahnsinnig viel "Feuer" und "Zug" in den Trainingseinheiten ist und sich alle Spieler richtig reinhauen. Daher ist mir auch vor den zukünftigen Aufgaben nicht bange, denn nun rutschen eben jene Spieler in die Startelf, die sich zuvor im Training aufgedrängt haben."
Das vergangene Spiel gegen Fortuna wurde sehr gut besucht, knapp 700 Zuschauer sahen diese Partie. Auch in den vorherigen Spielen war eine wieder größere Resonanz des Chamer Publikums zu spüren. Glaubst du, dass es im Umfeld und bei den Fans zu einem generellen Umschwung gekommen ist oder schiebst du diese Entwicklung auf den Erfolg zurück?
"Ich sehe diese Entwicklung auch positiv, und führe sie auf mehrere Ursachen zurück. Eine große Rolle spielt mit Sicherheit die aktuelle Erfolgsserie und auch die Qualität der Gästemannschaften, die bei uns in Cham vorspielen. Andererseits profitieren wir davon, dass unsere Hauptkonkurrenten im Landkreis Cham momentan arg schwächeln und so manchner Zuschauer deswegen wieder bei uns vorbei schaut. Der entscheidende Punkt für mich persönlich - und aus meiner Sicht auch bei immer mehr Zuschauern und Leuten in unseren (direkten) Umfeld- ist, dass die Leute sehen, dass da am Platz eine Mannschaft steht mit "echten" Chamern. Die Spieler identifizieren sich mit dem Verein wie schon lange nicht mehr, und umgekehrt geht es den Zuschauern genauso. Noch letzte Saison war von einer Bayernliga-Mannschaft die Rede, nur weil wir Spieler wie Vogl, Scheuerer, Ranzinger oder Brunner in unseren Reihen hatten, die allesamt übrigens schon früher beim ASV Cham in der Jugend gespielt haben. Viel mehr stechen nun Leute wie Christian Ederer oder Jonas Schöps heraus, die ihren Weg über unsere Jugend oder unsere Reservemannschaft gemacht haben oder ein Michel Wittmann, den wir aus der A-Klasse geholt haben. Im Gegensatz zu unserer Konkurrenz reden wir nicht nur von Konzepten, wir füllen unser Erfolgsmodell mit Leben aus. Dass der ASV Cham wieder eine Adresse ist für junge und talentierte Spieler des gesamten Landkreises und speziell für unsere eigenen Jugendspieler, ist für mich persönlich mit der größte Erfolg meiner nun über dreijährigen Trainerzeit in Cham."
Danke für dieses schöne Gespräch und weiterhin viel Glück bei den anstehenden Aufgaben.