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Interview

Den Profifußball nicht aus den Augen verloren

Mathias Hartwig (21) trotzt dem Verletzungspech und will bei Borussia Derschlag wieder fit werden will

von Kölner Stadt-Anzeiger / Thomas Giesen · 29.04.2016, 22:00 Uhr · 0 Leser
Oberberg statt England: Mathias Hartwig möchte bis Saisonende  bei Derschlag spielen, um wieder fit zu werden.  Foto: Giesen
Oberberg statt England: Mathias Hartwig möchte bis Saisonende bei Derschlag spielen, um wieder fit zu werden. Foto: Giesen

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Der Fußballer Mathias Hartwig wäre im vergangenen Jahr fast zum FC Watford in die englische Premier League gewechselt. Eine Verletzung verhinderte im letzten Moment eine Verpflichtung und beendete den Traum vom Profifußball auf der Insel für den 21-jährigen Bergneustädter. Zumindest vorerst. Thomas Giesen hat mit ihm über seine Stationen als Fußballer, die verpasste Gelegenheit und seinen Versuch eines Neuanfangs beim FC Borussia Derschlag in der Kreisliga A gesprochen
Sie haben beim SSV Bergneustadt mit dem Fußballspielen angefangen. Bis zum FC Watford in die Premier League ist es ein langer Weg. Wie ist Karriere verlaufen?

Mathias Hartwig: Nach zwei Jahren bin ich zum FV Wiehl gegangen. Dort hat mich ein Scout von Bayer Leverkusen entdeckt, und ich bin als Neunjähriger in die dortige Jugend gewechselt. Dort habe ich dann die gesamte Juniorenzeit verbracht.

Für Sie war das der Beginn einer Berg- und Talfahrt. Erzählen Sie mal.

Hartwig: Ich hatte als Jugendlicher schon häufig Verletzungsprobleme und musste immer wieder aussetzen. Das Schlimmste war eine ominöse Muskelverletzung zu Zeiten der A-Jugend, die einfach nicht besser werden wollte. Damit habe ich dann ein Jahr ausgesetzt. Es gab aber auch Höhepunkte, wie zum Beispiel die Einladung zu einem Sichtungslehrgang des Deutschen Fußball-Bundes in Berlin. Da war ich 15 oder 16 Jahre alt. Spieler wie Emre Can und Hakan Calhanoglu waren mit dabei. Aus einer Nominierung für die Nationalmannschaft ist aber nichts geworden. Sie haben für die Zehnerposition Hakan Calhanoglu ausgewählt. Trotz meiner vielen Verletzungen habe ich in Leverkusen einen Profivertrag bekommen. Sascha Lewandowski war damals noch Trainer der U19. In der U23 habe ich dann ein Jahr verbracht, war aber wegen einer Schambeinentzündung sieben Monate außer Gefecht gesetzt. Als ich wieder fit war, wurde die U23 aufgelöst.

Aber Sie hatten noch einen Vertrag in Leverkusen.

Hartwig: Ja. Zuerst wollte ich zum FC St. Pauli wechseln. Mein Berater hatte mir ein Probetraining verschafft, das drei Tage gedauert hat. Für eine Verpflichtung hat es aber nicht gereicht, und ich bin dann an die Sportfreunde Siegen ausgeliehen worden, für die ich ein Jahr in der Regionalliga gespielt habe. Im Winter hatte ich wieder ein Probetraining bei Sturm Graz in Aussicht. Zu diesem Zeitpunkt war ich fit. Dann habe ich aber einen Muskelfaserriss bekommen, und es ist wieder nichts daraus geworden. Nach der Ausleihe ist der Vertrag in Leverkusen aber aufgelöst worden. Das war im Sommer des vergangenen Jahres.

Der FC Watford war an Ihnen interessiert. Wie kam es, und warum hat es mit einer Verpflichtung nicht geklappt?

Hartwig: Mein Berater hat mich in England ins Gespräch gebracht. In Watford war der Vertrag eigentlich schon fertig und ich sollte nach England fliegen. Da ich zu diesem Zeitpunkt aber Probleme mit dem Sprunggelenk hatte, habe ich noch mal eine Kontrolle bei einem Arzt gemacht. Und dabei ist aufgefallen, dass ich operiert werden muss. Ein loses Knochenstück musste entfernt werden. Dadurch ist der Vertrag mit Watford geplatzt.

Sie haben dann wieder eine lange Pause eingelegt und sind seitdem vertragslos gewesen. Wie ist denn der derzeitige Stand?

Hartwig: Auch nach der Operation sind die Schmerzen im Knöchel erstmal nicht besser geworden. Zeitweise konnte ich gar nicht laufen. Die Ärzte sagten mir auch, dass es mit dem Profifußball wohl nichts mehr werden wird. Aber egal, was die Ärzte sagen. Ich akzeptiere das nicht. Im Moment hält der Knöchel auch ganz gut und habe wieder angefangen zu trainieren.

Warum starten Sie den Neuanfang bei Borussia Derschlag?

Hartwig: Der Kontakt kam über Seyfettin Macit, der in Derschlag spielt und mit dem ich schon zehn Jahre befreundet bin. Ich habe dann einige Wochen mittrainiert. Die Mannschaft besteht aus coolen Jungs und ich bin gut aufgenommen worden. Im Moment bin ich noch gar nicht in Form, aber ich hoffe, dass es mit meinem Fuß aufwärts geht.

Wie lange wollen Sie in Derschlag bleiben?

Hartwig: Bis zum Ende der Saison. Dann hoffe ich, dass ich wieder irgendwo in der Regionalliga angreifen kann. Ich glaube, wenn ich fit bin, kommen auch schnell wieder Angebote. Und es wird sich auch herausstellen, ob mein Körper die Belastung noch mitmacht.

Und wenn nicht? Denken Sie über einen Plan B nach, was Ihre berufliche Zukunft angeht oder setzen Sie alles auf die Karte Fußball?

Hartwig: Im Moment lebe ich so in den Tag hinein. Wenn man immer nur Fußball gespielt hat, ist es schwierig, sich damit zu beschäftigen, eine, in Anführungsstrichen, normale Arbeit anzunehmen. Ich habe in Leverkusen mal eine Ausbildung zum Verkäufer begonnen, aber nicht zu Ende gemacht. Einen richtigen Plan habe ich nicht. Vielleicht kann ich irgendwann als Trainer arbeiten. Bei Sascha Lewandowski und auch bei Sami Hyypiä habe ich viel gelernt. Vielleicht kann ich anderen Fußballern davon etwas weitergeben.