Der RSV Praest ist gestern endgültig in der Fußball-Landesliga angekommen. Im Heimspiel gegen Borussia Bocholt setzte sich der Neuling verdient mit 3:2 (2:0) durch und feierte damit den ersten Sieg in der neuen Liga. Doch die gestrige Begegnung dürfte den Zuschauern wohl aus einem anderen Grunde noch lange in Erinnerung bleiben.
Was war passiert? Der RSV Praest führte bis zur 90. Minute mit 3:2. Anschließend erzielte der eingewechselte Bocholter Angreifer Julian Bill mit der Hand den vermeintlichen Ausgleichstreffer zum 3:3. Zum Entsetzen des RSV Praest sah Schiedsrichter Thomas Stappen das eigentlich sehr offensichtliche Handspiel von Bill nicht und entschied auf Tor für Bocholt. Auch der für die Spielhälfte zuständige Schiedsrichter-Assistent hatte das Handspiel nicht gesehen.
Jetzt wurde es interessant. Der zweite Schiedsrichter-Assistent hatte das Handspiel allerdings gesehen. RSV-Kapitän Benedikt Derksen wies den Unparteiischen darauf hin, doch bitte Kontakt zum Schiedsrichter-Assistenten aufzunehmen. Nach Rücksprache nahm der Unparteiische seine Entscheidung und somit auch das Tor zurück und entschied auf Freistoß für Praest. Dass ein Schiedsrichter ein bereits gegebenes Tor zurücknimmt, erlebt man sicherlich auch nicht zu oft. Entscheidend war aber, dass die Rücknahme aufgrund des offensichtlichen Handspieles absolut korrekt war. Schiedsrichter Stappen wollte sich nach Spielende nicht zur besagten Szene äußern. "Jetzt nicht", erklärte Stappen auf RP-Anfrage. Letztlich blieb es somit beim verdienten 3:2-Erfolg des RSV Praest.
Zum Spiel: Praests Angreifer Pierre Elspaß hat seit gestern seinen Platz in den Geschichtsbüchern des RSV Praest sicher. Um genau 15.10 Uhr traf der junge Angreifer mit einem strammen Schuss in den Winkel zum 1:0 und markierte damit den ersten Landesligatreffer in der Geschichte des RSV Praest. Bereits zwei Minuten zuvor hätte Matthias Bauhaus, der gestern sehr fleißig aber auch sehr unglücklich agierte, das 1:0 erzielen müssen. Obwohl der RSV Praest gestern auf zahlreiche Stammkräfte verzichten musste (Nüßmann, Gottschling, Kaul, Szczepinski), war das Team in Hälfte eins absolut tonangebend. Sezgin Baran erhöhte nach Vorarbeit von Roman Mischel auf 2:0 (13.).
Der RSV Praest hatte in Halbzeit eins Platz ohne Ende, während die Bocholter Abseitsfalle überhaupt nicht funktionierte. Doch sowohl Bauhaus (25.) als auch Justin Ising (35.) versäumten es, die Führung auszubauen. Nach der Pause verlor der RSV zwanzig Minuten den Faden, wobei die nun besser spielenden Gäste hieraus zuerst kein Kapital schlagen konnten. Als ein Bocholter Abwehrspieler nach 72 Minuten die Ampelkarte sah, schien die Partie gelaufen. Per Elfmeter verkürzten die Gäste auf 1:2 (75.), ehe Sezgin Baran auf 1:3 (78.) erhöhte. Anschließend traf Julien Bill zum 2:3 (81.), bevor das Handtor in den Mittelpunkt rücken sollte.
"Mit vier Punkten sind wir voll im Soll. Wir hatten eine junge, wilde Mannschaft, die ihre Sache sehr gut gemacht hat", sagte RSV-Trainer Roland Kock nach Spielende.