
Im Spessart wurde man nach dem tollen 3:2-Derbyerfolg beim bis dahin auf eigenem Rasen ungeschlagenen Nord-Tabellenführer aus Selbitz allerdings mit einer 0:1-Niederlage auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Dies ist in den letzten Jahren ein immer wieder auftretendes Phänomen in Trogen. Gegen die Großen der Liga, gegen Selbitz, Würzburg, Bayreuth, Sand und Haibach zeigte man starke Leistungen, um gegen die vermeintlichen Kleinen wie Pettstadt, Frammersbach und Burgkunstadt auf die Nase zu fallen. Dieses kurios anmutende Muster war auch schon in der bisher einzigen Landesliga-Saison der Oberfranken 2009/10 erkennbar.
Der Saisonstart verlief mit einem 1:0-Auswärtssieg in Höchberg optimal. Vielleicht war es gerade der etwas unerwartete Erfolg der den ein oder anderen Akteur zu leichtsinnig werden ließ. Was folgte waren drei Pleiten gegen Bamberg, Burgkunstadt und Selbitz. Erst dann raffte man sich auf, besann sich auf seine Stärken die eindeutig in der Defensive liegen und legte eine kleine Serie von 13 Punkten aus fünf Spielen hin. Von da an behauptete sich man stetig im vorderen Tabellendrittel, und dass obwohl man gleich zu Beginn auf wichtige Spieler verzichten musste. Im zweiten Saisonspiel gegen Bamberg verletzte sich der Trogener Spielmacher Martin Weiß (24) so schwer, dass er in der Vorrunde kein einziges Spiel mehr absolvieren konnte. Als einer der letzten richtigen "Zehner" und dazu noch Standardspezialist war sein Ausfall zunächst ein schwerer Schock für die Mannschaft.
Doch das war bei weitem nicht der einzige Ausfall: Neuzugang und Talent Thomas Mallik (19) verabschiedete sich ab August für ein halbes Jahr nach Australien, Michael Weiß (27) und Sturmführer Erwin Okraffka (33) entschieden sich auf privaten bzw. beruflichen Gründen Anfang Oktober nur noch in der Kreisligareserve zu kicken. Und Mittelfeldmotor und Unglücksrabe Florian Narr (32) zog sich im Herbst zu allem Übel einen Kreuzbandriss zu - seine mittlerweile vierte schwere Verletzung in den letzten drei Jahren. Erfreulicherweise konnten sich aber die zu Saisonbeginn neu verpflichteten Youngsters Elias Köcher (18) und Kevin Winter (19) sehr schnell an die Anforderungen der neuen Spielklasse gewöhnen. Sie wurden äußerst erfolgreich ins kalte Wasser geworfen, obwohl man ihnen eigentlich mehr Zeit einräumen wollte, sich an den Seniorenfußball zu gewöhnen. Allerdings weiß auch Trainer Roland Guthke (50) aus seiner jahrelangen Erfahrung in der Arbeit mit jungen Spielern, dass hier Rückschläge in Form von Leistungseinbrüchen durchaus einzukalkulieren sind.
Die Probleme beim FCT liegen vor allem im Offensivbereich. "Uns fehlt ein richtiger Knipser", mahnte Trogens Trainer Roland Guthke im FuPa-Interview Mitte November. Mit Milo Certik (25) und dem jüngeren Martin Weiß (22) im Team standen plötzlich nur noch zwei gelernte Stürmer zur Verfügung. Martin Weiß (22) - mit elf Treffern immerhin an Nr. 5 der Landesliga-Torjägerliste - spielt dabei eher auf der linken Außenbahn als im Sturmzentrum und Milo Certik, der unermüdlich ackert und für die Mannschaft arbeitet, ist eher ein Vorbereiter als ein Knipser. Wenn von beiden Kandidaten einer ausfiel, wurde es in Sturm richtig einsam, weshalb man zur Winterpause mit André Zenner (22 / vom VfB Schöneck in Sachsen) nach Kontaktaufnahme mit rund 30 potentiellen Kandidaten eine weitere Alternative in der Offensive verpflichtet hat. Daneben soll der Ex-Hofer und Ex-Selbitzer Daniel Lottes (26), der zuletzt beim Bezirksligisten SpVgg Oberkotzau aktiv war, für mehr Stabilität im Mittelfeld sorgen. Dafür wechselt Mittelfeldakteur Sebastian Göcking (21) nach Oberkotzau und Chris Schiller schließt sich dem BSG Wismut Gera an.
Das große Problem der Trogener liegt aber weiterhin bei den Zuschauerzahlen. Trotz des sportlichen Erfolges tummeln sich im Schnitt nicht einmal 200 Unentwegte auf dem Trogener Sportgelände (Zuschauerschnitt: 190 - Platz 17 innerhalb der Landesliga Nord). Dies ist wohl hauptsächlich der geographischen Lage der 1.600-Seelen Gemeinde unmittelbar an der sächsischen Grenze geschuldet. Aus dem nahen Sachsen lassen sich keine Zuschauer auf den FCT-Sportplatz locken. Genau dieses Phänomen hat auch bei der Suche nach einem "Knipser" zu Buche geschlagen, der in der unmittelbaren Umgebung nicht zu finden war, so dass man den Suchradius weit ausdehnen musste. Fast schon traditionell könnte der FCT in der Rückserie noch einmal eine Schippe drauflegen, trotz der äußerst verbesserungswürdigen Trainingsbedingungen, mit denen wohl kein Bezirksoberligist oder Landesligist aus der näheren Umgebung zu kämpfen hat. Allerdings müsste man auf dem Weg in die Bayernliga Nord von weiteren Verletzungen verschont zu bleiben. Viel wird vom Start im erstem Heimspiel gegen den starken Mitaufsteiger Kleinrinderfeld abhängen. Bei einem Erfolg kann die Mannschaft mit viel Selbstvertrauen in die ausstehenden "Endspiele" gehen. Bei einer Niederlage rücken die lauernden Teams allerdings bedenklich nahe.
Zum Halbzeit-Interview mit Trogens Trainer Roland Guthke: »Uns fehlt ein richtiger Knipser«