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Donnerstag 12.01.17 16:51 Uhr|Autor: Philipp Burde - Redakteur5
Aufstiegs-Coach Sven Vetter steht mit dem TSV Kastl vor dem Durchmarsch. F: Riedel
Aufstiegs-Coach Vetter über Landesliga: "Abnormal, welche Summen bezahlt werden"
Das Leicester City der Landesliga
TSV Kastl - Im Dorf Kastl erlebt man derzeit historisches: Der Aufsteiger aus dem 2000-Einwohner-Dorf legte zuletzt eine Serie von 16 Spielen ohne Niederlage hin. Trainer Sven Vetter hat uns erklärt, wie es dazu kam und wieso der TSV Kastl das Leicester City der Landesliga ist.

Die Zuschauer rieben sich nicht zum ersten mal verwundert die Augen, als der Aufsteiger TSV Kastl mal wieder Punkte aus dem gegnerischen Stadion entführte. 16 Spiele lang war die Mannschaft von Sven Vetter ungeschlagen und beendete das Kalendarjahr 2016 mit nur drei Niederlagen. Im Vorort-Interview hat der Coach ganz genau erklärt, wie er an den Laufwegen der Spieler gefeilt hat und wie es mit der Bezahlung der Akteure aussieht.

 Servus Sven, "Was eine Wahnsinns-Saison! Als Aufsteiger auf Platz drei!", würde wohl jeder Außenstehende sagen. So besonders ist das allerdings gar nicht für euch. In den letzten sechs Jahren konntet ihr vier Aufstiege feiern. Was entsteht da gerade bei Kastl?

Es ist unglaublich und ein riesen Erlebnis für alle von uns. Die Mannschaft spielt nun schon über Jahre hinweg zusammen und hat sich gefestigt. Aktuell genießen wir einfach nur den Moment. 

Die Fans sind an eurem Erfolg nicht ganz unbeteiligt. Mittelfeldspieler Grothe sagte zuletzt, dass eure Fans unglaublich seien und er selbst beim Auslaufen Gänsehaut-Momente verspürt. Wie siehst du das? Welchen Anteil haben die Fans?

Einen großen! Hier hält wirklich jeder zusammen. Man hat das damals beim Stadion-Umbau gesehen: Selbst die Rentner haben beim Pflastern geholfen und die Kinder haben die Banner aufgehängt. Beim TSV Kastl geht man Hand in Hand, vom Rentner zum Kind bis hin zum Präsidenten. Die Fans begleiten uns sogar bei jedem Auswärtsspiel. Mit Bussen und Autos fahren sie uns hinterher. Es ist wahnsinnig. Ich habe immer das Gefühl, dass ich ein Stück Heimat dabei habe.

Bisher wurden 17 Spiele ausgetragen und ihr musstet euch nur im Letzten geschlagen geben. Wie erklärst du dir die Serie von 16 Partien ohne Niederlage? Was hast du mit den Jungs angestellt?

Sie haben sich Jahr für Jahr weiterentwickelt. Ich habe die Mannschaft damals als Aufsteiger in der Bezirksliga übernommen. Der vorherige Trainer hatte sehr gute Arbeit geleistet, dennoch ist die Landesliga etwas anderes als die Kreisliga. Das Niveau ist ein ganz anderes. Jeder Einzelne des Teams war wissbegierig und wollte von Anfang an wissen, was er verbessern kann. Ständig wurde ich nach Laufwegen gefragt und habe dann versucht, es den Jungs so gut wie möglich zu vermitteln: Ich habe es ihnen aufgezeichnet, ich habe es sogar mit Figuren nachgestellt. Die Bemühungen haben sich gelohnt und auch nur so kommt man zum Erfolg. Ich bin als Trainer Teil des Ganzen, sollte ich aber eine Mannschaft haben, die sich nicht voll reinhängt, bin ich als Einzelner unbedeutend.

"Selbst die Rentner haben beim Stadion-Umbau geholfen"

Die einzige Niederlage setzte es gegen den Tabellenzweiten aus Holzkirchen, die nun zwei Punkte vor euch stehen. Kann man Holzkirchen bereits als direkten Konkurrenten bezeichnen, oder kommt ihr mit der Situation des Aufstiegskandidaten noch nicht hundert-prozentig klar? 

Wir kommen auf jeden Fall damit klar! Wir haben es uns verdient und erarbeitet. Das unsere Serie mal reißt und wir irgendwann dran sind, war mir bewusst. Gegen Holzkirchen kann man schon mal verlieren. Es ist eine nette Mannschaft, gegen die wir auf Augenhöhe gespielt haben. Ich vergönne Ihnen den Sieg. Sie haben es einfach gut gemacht. So ist Fußball.

Im Gegensatz zu den restlichen Mannschaften der Liga, ist der TSV Kastl ein sehr kleiner Verein. Das Dorf besitzt gerade mal gut 2000 Einwohner. Außerdem habt ihr nicht ansatzweise die selben finanziellen Möglichkeiten wie andere Clubs, wie z.B. der SV Türkgücü-Ataspor. Seid ihr aktuell das Leicester City der Landesliga?

Ja, das kann man schon so sagen (lacht). Mit uns hat vor der Saison niemand gerechnet und jetzt stehen wir da oben. Mit anderen Teams wollen wir uns gar nicht vergleichen. Ich finde es abnormal, was teilweise für Summen in dieser Liga bezahlt werden. Bei uns bekommt kein Spieler Geld, dafür steh ich mit meinem Namen. Was bringt mir das denn, wenn ich lauter gute Spieler hab, die aber nur wegen dem Geld zum Training kommen? Bei uns kommt jeder mit einem Lächeln zum Training und das ohne jede Bezahlung. Fußball sollte einfach Spaß machen, vor allem in der Landesliga.

Die Entwicklung deiner Spieler ist anderen Vereinen bestimmt nicht verborgen geblieben. Sie haben im Gegensatz zu Kastl die finanziellen Möglichkeiten und können den Spielern ein Gehalt bieten. Hast du Angst, dass deine Spieler in Zukunft abgeworben werben? 

Es ist legitim. Wir kennen das aus der Vergangenheit. Letztes Jahr hat Töging bereits versucht, unsere Spieler abzuwerben. Nachdem der FC Wacker Burghausen die Profi-Fußball-Abteilung eingestampft hat, zeigen auch sie Interesse. Ich bin der Meinung, dass sich das jeder Spieler anhören kann, aber auch überlegen muss, wo er seine sportliche Zukunft sieht. Es wäre natürlich schade, wenn uns die Spieler nun laufend verlassen würden, aber ich kann da nichts bestimmen. Ich brauche keinen Spieler, der unbedingt weg will. Sollte es aber jemals zu einer Art Ausverkauf kommen, werden wir auch hier eine Lösung finden.

Wo geht es für euch in der restlichen Saison noch hin? Hast du Angst vor dem Einbruch?

Mit Sicherheit nicht! Es wird schwer, weil uns jetzt die meisten Mannschaften kennen. Das ein oder andere Team hat sich auch noch enorm verstärkt. Die Rückrunde ist für uns eine Spielzeit, wie für jede andere Mannschaft. Wir wollen mit einem einstelligen Tabellenplatz abschneiden. Ob es dann Rang eins oder sechs wird, sehen wir dann. Aber mit dieser Mannschaft werden wir auf jeden Fall nicht abrutschen.

Das Gespräch führte Philipp Burde

 

 
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